Ratgeber

Stützen und Ausrichtung beim 3D-Druck

Ein FDM-Drucker baut ein Teil Schicht für Schicht von unten nach oben. Alles, was dabei in der Luft hängt, braucht eine Stütze. Hier steht, wann das passiert, was davon am Teil bleibt und wie du mit der Ausrichtung das Beste herausholst. Die orange markierten Flächen in unserer 3D-Vorschau zeigen es dir vorab.

Wann ein Teil Stützen braucht

Jede neue Schicht liegt auf der darunter. Ragt eine Fläche schräg nach außen, trägt die untere Schicht die obere noch, solange der Überhang flach genug ist. Wie steil das sein darf, hängt von der Schichthöhe ab: Je dünner die Schicht, desto kleiner der Versatz von Schicht zu Schicht, desto steiler darf die Fläche hängen.

SchichthöheDruckt frei bisStützen ab
0,28 mm (grob)etwa 50 Grad Überhangüber 50 Grad
0,20 mm (Standard)etwa 60 Grad Überhangüber 60 Grad
0,12 mm (Detail)etwa 70 Grad Überhangüber 70 Grad
0,08 mm (extra fein)etwa 75 Grad Überhangüber 75 Grad

0 Grad ist eine senkrechte Wand, 90 Grad eine waagerechte Unterseite. Ausgenommen ist die Auflagefläche auf der Druckplatte, sie trägt sich selbst. Kurze waagerechte Brücken bis etwa 25 mm zwischen zwei Auflagen druckt der Drucker ebenfalls frei. Genau die Flächen, die nach dieser Regel gestützt werden, färbt unsere 3D-Vorschau orange.

Was von Stützen am Teil bleibt

Wir drucken mit Baumstützen, die das Teil nur an wenigen Punkten berühren, und entfernen sie vor dem Versand. Was bleibt, ist eine leicht raue Fläche mit kleinen Kontaktpunkten an der gestützten Unterseite, ähnlich einer feinen Narbung. Passform und Stabilität sind davon nicht betroffen. Bei Sichtteilen lohnt es sich, diese Flächen nach unten oder ins Innere zu legen.

Stützen kosten keinen Aufpreis. Sie fließen als Material und Druckzeit in den Preis ein, den du in der Vorschau siehst.

Die Ausrichtung entscheidet

Dasselbe Teil braucht in einer Lage viele Stützen und in einer anderen fast keine. Unsere Automatik prüft sechs Lagen und wählt die mit dem wenigsten Stützmaterial, solange die Auflagefläche dabei nicht zu klein wird. In der 3D-Vorschau kannst du die Lage selbst wählen: Sechs Knöpfe zeigen je Lage, wie viel Stützmaterial anfällt und wie groß die Auflage ist. Der Preis rechnet sich für die gewählte Lage neu.

So vermeidest du Stützen

Fünf Hebel, sortiert nach Wirkung. Die ersten drei kannst du direkt beim Bestellen ziehen, die letzten zwei in der Konstruktion.

  1. Ausrichtung wählen. Der größte Hebel. Dasselbe Teil braucht liegend oft ein Vielfaches an Stützen gegenüber stehend. Unter der 3D-Vorschau zeigt die Lagenwahl je Lage einen Balken für das Stützmaterial; wähle die Lage mit dem kürzesten Balken, bei der die Sichtseite oben oder seitlich liegt.
  2. Feinere Schicht wählen. Mit 0,12 mm druckt der Drucker Überhänge bis etwa 70 Grad frei statt 60 Grad bei 0,20 mm, mit 0,08 mm bis etwa 75 Grad. Bei Rundungen macht das den Unterschied: Ein Knauf mit Kugel auf Scheibe braucht bei 0,20 mm rund 7 Prozent seines Materials für Stützen, bei 0,12 mm gar keine, und die Kugel wird sichtbar glatter. Der Druck dauert dafür etwa ein Drittel länger. Bei waagerechten Unterseiten hilft die feinere Schicht nicht, dort bleiben Stützen nötig.
  3. PLA nehmen, wenn es geht. PLA kühlt am schnellsten und hält Überhänge am besten. PETG und Polyamid sacken bei steilen Überhängen eher durch und brauchen früher Stützen.
  4. Überhänge auf 45 Grad bringen. Eine waagerechte Unterseite wird mit einer 45-Grad-Fase oder einem Bogen darunter stützenfrei. Löcher in Seitenwänden als Tropfen- oder Sechseckform zeichnen, damit die Decke nicht waagerecht hängt. Kleine Vorsprünge unter 2 mm Tiefe druckt der Drucker ohne Hilfe.
  5. Teilen und fügen. Ein Teil mit Überhängen in alle Richtungen wird als zwei Hälften mit ebener Schnittfläche oft komplett stützenfrei. Steckstift oder Klebefuge einplanen, wir drucken beide Hälften im selben Auftrag.

Und 0,08 mm? Für Miniaturen und Modellbau mit vielen kleinen Vorsprüngen ist das die letzte Stufe: Eine Modellbau-Ruine mit feinen Simsen und Säulenresten kam bei 0,08 mm ganz ohne Stützen aus, bei 0,12 und 0,20 mm nicht. Der Druck dauert etwa doppelt so lange wie mit 0,20 mm. Bei großen waagerechten Unterseiten hilft auch 0,08 mm nicht, dort bleiben Stützen nötig.

So liest du die Vorschau

Nach dem Hochladen zeigt die 3D-Vorschau dein Teil in der Drucklage. Orange markierte Flächen werden gestützt, bei orangen und roten Filamenten ist die Markierung blau. Unter dem Modell steht, wie viel Prozent der Oberfläche betroffen sind. Ziehe das Modell nach oben, um die Unterseite zu sehen. Mit dem Häkchen "Stützbereiche zeigen" blendest du die Markierung aus. Wenn dir eine andere Lage besser gefällt, wähle sie über die Ausrichtungsknöpfe, die Vorschau und der Preis folgen sofort.

Datei hochladen und Vorschau ansehen